Buchempfehlung im Juni (2)

Judith Hermann:  Daheim

Frauen

Judith Hermann erzählt in ihrem neuen Roman „Daheim“ von einem Neuanfang: Eine alte Welt geht verloren und eine neue entsteht. Die Protagonistin hat ihr altes Leben hinter sich gelassen, sie ist an die Küste gezogen, in ein kleines Haus auf dem Land für sich allein. Ihre Tochter ist eine Reisende, ihrem Exmann schreibt sie kurze Briefe, in denen sie erzählt, wie es ihr geht. In diesem neuen Leben im Norden schließt sie eine vorsichtige Freundschaft, versucht sich noch einmal an der Liebe, überlegt, ob sie dort heimisch werden könnte. Dabei begleiten sie immer auch die Erinnerungen an ihre Vergangenheit, an ihre Familie und verpasste Gelegenheiten.

„Daheim“ erzählt von einer Frau, die vieles hinter sich gelassen hat. Sie erinnert sich an Möglichkeiten, die sie vor Jahrzehnten nicht wahrgenommen hat, vermisst ihre nun erwachsene Tochter, möchte allein sein. Und doch richtet sie sich gleichzeitig in ihrem neuen Leben ein, trifft auf neue Menschen, nimmt an deren Leben teil. Es erzählt von einer inneren Zerrissenheit, von Wurzellosigkeit, einem Aufbruch in ein neues Leben, und dem Ankommen.

Die Geschichte mag oberflächlich betrachtet sensationslos erscheinen, und doch stellen sich, in dem für Judith Hermann typisch feinfühligen und melancholischen Stil, tiefer gehende Fragen aus dem Leben, welche die Autorin ganz ohne zu belehren unbeantwortet lässt. Wo gehören wir hin, und zu wem?

(Koczot)