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Judith Hermann: Aller Liebe Anfang

Bewährte Unterhaltung

Stella lernte Jason durch Zufall in einem Flugzeug kennen, er hielt ihre Hand, weil sie an Flugangst litt, und wenige Wochen später waren sie ein Paar. Sie heirateten schnell, bekamen Tochter Ava und zogen in ein beschauliches Haus mit Garten in einer Vorstadtsiedlung. Jason ist als Handwerker oft beruflich unterwegs, Stella, die teilzeit als Krankenpflegerin arbeitet, kümmert sich um das Haus und die fünfjährige Tochter. Die drei gühren ein unspektakuläres, friedliches Familienleben. Bis eines Tages im Frühjahr ein fremder Mann an der Tür klingelt und Stella darum bittet, sich mit ihm zu unterhalten. Ein wenig verunsichert wimmelt sie den Fremden ab, der jedoch am nächsten Tag wieder vor der Tür steht. Jeden Tag kommt er wieder, klingelt und legt etwas für Stella in den Briefkasten, einen Brief, ein Gedicht, ein Bild. Aus dem anfänglichen Ärgernis über den ungebetenen Besucher wird schnell ein Gefühl der Bedrohung, Stella fühlt sich bedrängt und verfolgt.

Während zu Beginn des Romans einfühlsam der Alltag von Stella und ihrer Familie, die Gedanken, Eindrücke und Sorgen der Protagonistin beschrieben werden, entwickelt die Handlung sich immer weiter zu einem Bild der Angst und Unsicherheit, der Schutzlosigkeit und dem Zerfall eines sicher geglaubten Lebens, bis die Situation zu eskalieren droht…

(Koczot)