16. Dezember

Jean-Philippe Blondel: Ein Winter in Paris

Victor, der Erzähler und die Hauptfigur des neuen kleinen Romans von Jean-Philippe Blondel, hat seine Kindheit und Jugend in der französischen Provinz verbracht. Als sehr guter Schüler kann er einen Vorbereitungskurs einer Eliteschule, den Pariser Concours, belegen. In Paris fühlt er sich einsam und ausgegrenzt, da er nicht dem Klischee seiner Kommilitonen entspricht. Ein wenig Abwechslung bieten ihm nur die gelegentlichen, ziemlich schweigsamen Raucherpausen mit einem jüngeren Schüler, Mathieu. Als dieser aus Verzweiflung in den Tod springt, wird plötzlich Victor – der vermeintliche Freund des Opfers – auch für andere sichtbar und interessant. Komplett abgenabelt von sozialen Verpflichtungen gegenüber seiner Familie in der provinziellen Heimat, lässt sich Victor in das neue Leben fallen und droht dabei, verloren zu gehen.

Blondel gelingt es hervorragend den schulischen Druck, das Konkurrenzdenken, das elitäre Schweigen und die Ignoranz gegenüber Außenseitern, die Position am gesellschaftlichen Rand einer Eliteschule zu vermitteln.

Es ist ein Roman der leisen Töne in dem es um Freundschaft, Einsamkeit, Trauer, Leistungsdruck, Demütigung, Verzweiflung, Schuldgefühle und das Leben an sich geht.

Blondels Sprache ist wunderbar. Knapp, ohne ausführliche Beschreibungen und komplizierte Sätze gelingt es ihm auf einer poetischen Weise menschliche Verwirrungen, Unsicherheiten, Gefühle zu beschreiben. Die eher melancholische Stimmung des Romans nimmt den Leser gefangen.

Jean-Philippe Blondel hat wieder eine literarische Perle geschaffen.

(Pohlmann)