Kategorie-Archiv: Buchempfehlung

Buchempfehlung im Mai (4)

Chris Karlden: Der Totenrächer

Thriller

Der inhaftierte Ex-Polizeipsychologe Georg Hauser behauptet, dass zwei Personen, deren Todesumstände als Selbstmorde abgeschlossen und zu den Akten gelegt wurden, in Wahrheit ermordet wurden. Die beiden Kommissare Adrian Speer und Robert Bogner werden gebeten diese Fälle noch einmal zu untersuchen. Bei ihren Ermittlungen stoßen die beiden auf interessante Parallelen der beiden angeblichen Selbstmörder: Deren Angehörige wurden Monate vorher erschossen. Georg Hauser erwähnt auch noch eine dritte Person – doch diese Person lebt noch. Schwebt sie auch in Lebensgefahr? Haben Speer und Bogner es womöglich mit einem Serienmörder zu tun, der seine Taten wie Suizide aussehen lässt? Und immer wieder stellt sich ihnen die Frage, wie genau Georg Hauser in die Fälle verwickelt ist.

Eine relativ kurze Story (252 Seiten) in angenehmer Schriftgröße und einem locker leichtem Schreibstil machen das Lesevergnügen perfekt. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich das Buch schon durch.

Dies ist der dritte Fall für Adrian Speer und Robert Bogner und kann unabhängig von seinen Vorgängern gelesen werden.

„Der Totensucher“ ist der erste Band der Reihe und auch wirklich sehr empfehlenswert. Dieser kann ebenfalls bei uns in der Bücherei ausgeliehen werden.

(Schnieder)

Buchempfehlung im Mai (3)

El Hachmi, Najat: Eine fremde Tochter

Länder/Völker

Najat El Hachmi (*1979) ist eine katalanisch-marokkanische Autorin, die heute in Barcelona lebt.
2015 gewann sie für „Eine fremde Tochter“ den San Juan-Preis und den Ciuat der Barcelona-Preis als bester katalanischer Roman.

Das Buchcover des Romans – besser gesagt das Portrait des wunderschönen Mädchens – war der Grund, warum ich das Buch angefangen zu lesen.

Najat El Hachmi erzählt eine Emanzipationsgeschichte einer jungen Marokkanerin, die nach Spanien auswandert. Dort lebt sie im Zwiespalt zwischen ihrer traditionell muslimisch geprägten Heimat und der Verlockungen einer liberalen Gesellschaft. Während die Tochter Bücher und das Denken liebt, versucht die sittenstrenge analphabetische Mutter aus der Tochter eine gute Muslima zu machen. Besonders offenbar werden die Unterschiede bei Besuchen in der alten Heimat.

Das Frauenbild der Familie entsetzt einen beim Lesen ebenso wie die früh fallende Entscheidung der Ich-Erzählerin, einer Zweckehe zuzustimmen. Der Sohn des Onkels, ihr Cousin ,steht zu diesem Zweck bereit. Wenn sie ihn heiratet, darf er nach Europa. Nach der Heirat verbringt der junge Ehemann seine Tage auf dem Sofa und in der Nacht macht er sich über seine Ehefrau her. Dieser Ehemann verbündet sich mit ihrer Mutter gegen sie und sie überreden sie zunächst ein Kopftuch zu tragen.

Die Autorin, die selbst mit ihrer Mutter als Kind nach Spanien emigrierte, versteht es auf Schönste, der Zerrissenheit ihrer Protagonistin Ausdruck zu verleihen. Es ist auch die Wahrhaftigkeit manch einer Erfahrung, die diesen Roman so lesenswert macht. Er gewährt einen Blick ins Innere einer fremden Welt: Das betrifft die ritualisierte Hochzeitszeremonie genauso wie das stürmische Seelenleben der Ich-Erzählerin.

In dem Roman geht es um das Verhältnis von Tochter und Mutter, aber auch um Verhältnis der Tochter zur Sprache ihrer Mutter (Tamazight) sowie um Wertesystem, der Kultur und allem, was mit ihrer Herkunft zusammenhängt.
Ein anderes Thema des Romans ist der Rassismus in der heutigen Gesellschaft.
Die Autorin verbindet ihren Roman mit dem Appel, sich um diejenigen zu kümmern, die aufgegeben haben, sie zu bestärken, ihren eigenen Weg zu gehen, ihnen Zuflucht zu gewähren.

Najat El-Hachmi klagt niemanden an, sondern beschreibt unterschiedliche Lebensstile und die Schwierigkeit, sie zu verbinden oder sie zu wechseln.

Ein erstaunliches Buch, bestimmt auch Dank der wortschöpfenden Übersetzung von Michael Ebmeyer.

(R. Pohlmann)

Buchempfehlung im Mai (2)

Nikola Hotel: It was always love

Liebe

Nachdem Aubree von der Uni geflogen ist, will sie einfach nur noch weg aus New York und alles vergessen. Weg von dem was passiert ist. Vergessen, dass das Foto existiert, was irgendjemand von ihr auf Instagram gepostet hat und sie seitdem verfolgt. Einfach alles hinter sich lassen. Kurzerhand beschließt sie zu ihrer besten Freundin Ivy nach New Hampshire zu fahren. Aber dort trifft sie ausgerechnet auf Ivys Stiefbruder Noah. Kann sie ihm vertrauen? Kann sie überhaupt noch irgendjemanden trauen nachdem was passiert ist? Noah merkt sofort, dass es Aubree nicht gut geht und versucht ihr irgendwie zu helfen. Langsam beginnt sie in ihm einen Freund zu sehen und bekommt Herzklopfen sobald er in ihrer Nähe ist. Doch das kann sie gerade gar nicht gebrauchen. Oder ist es genau das was sie momentan braucht?

Noah ist einer der interessantesten Charaktere in dem Buch. Er redet ohne vorher nachzudenken und ist dadurch ein sehr ehrlicher Mensch. Auch wenn manch einem vielleicht nicht gefällt was er sagt, weiß man bei ihm genau woran man ist. Und genau so kennt man Noah bereits aus dem ersten Band der Blakely-Brüder „It was always you“. Hier jedoch zeigt er auch eine andere Seite von sich: seine sensible und einfühlsame Art.

Aubree ist das genaue Gegenteil von Noah. Sie denkt erst tausend Mal über irgendetwas nach bevor sie etwas sagt oder tut. Sie ist eigentlich eine starke Frau, doch nachdem was ihr passiert ist, fühlt sie sich einfach nur noch schwach und klein. Es ist unglaublich schön, wie sie langsam wieder Mut fasst und anderen Menschen vertraut – vor allem Noah. Die beiden ergänzen sich wunderbar und sind ein wirklich schönes Paar.

Den 2. Band der Blakely-Brüder kann man auch ohne Vorkenntnisse des ersten, „It was always you“, verstehen. Dennoch versteht man manche Zusammenhänge etwas besser, wenn man den ersten Band vorher gelesen hat.

(Schnieder)

Bilderbuchempfehlung im Mai

Sam McBratney: Weißt du eigentlich, wie wichtig Freunde sind?

Der große Hase hat leider keine Zeit und so muss der kleine Hase alleine spielen. Doch das eigene Spiegelbild in der Pfütze anzuschauen und den eigenen Schatten zu fangen ist langweilig. Aber im Heidekraut entdeckt der kleine Hase plötzlich einen kleinen Schneehasen. Und der kleine Hase ist begeistert, als der Schneehase fragt: „Willst du mein Freund sein? Wollen wir zusammen spielen?“ Endlich hat der kleine Hase einen Freund gefunden, mit dem er Löcher graben, einen Turm bauen und verstecken spielen kann!

Nach dem Weltbestseller von Sam McBratneys  „Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab?“ ist dies nun die unabhängige Fortsetzung.

Anita Jerams bezaubernde Illustrationen runden dieses Buch zu einem wundervollen Gesamtpaket ab.

Die Geschichte kommt mit einem relativ kurzen Text einher und eignet sich somit bereits für Kinder ab 3 Jahren.

(Schnieder)

 

Buchempfehlung im Mai (1)

Ursula Poznanski: Cryptos

Thriller

Jana ist eine Weltendesignerin und kreiert verschiedene alternative Welten, in die sich die Menschen vor der Realität flüchten können. Kerrybrook hat sie wie ein irisches Dorf errichtet: mit Schafen, viel grün, einigen Pubs und einer Burgruine. Eigentlich geht es dort sehr friedlich zu. Doch dann zeigt ihr das System an, dass ein Fehler aufgetreten ist. Jana begibt sich in die alternative Realität, um nachzusehen wo das Problem liegt. In Kerrybrook angekommen muss sie feststellen, dass ausgerechnet dort, in ihrer Lieblingswelt, ein Verbrechen geschehen ist. Jana merkt schnell, dass es auch in Macandor, einer Feenwelt, die sie selbst erschaffen hat, nicht gerade rundläuft. Was steckt dahinter?

Cryptos ist eine Mischung aus Thriller, Fantasy und Dystopie. Die bunte Vielfalt der unterschiedlichen Welten in diesem Buch sind einfach herrlich. Man taucht in Fantasy- oder auch historische Realitäten (wie Jane-Austen-Welt) ein und trifft dort unter anderem auf Feen, Elfen, Dämonen und Dinosaurier. Die sympathische Protagonistin Jana Pasco, mit der man von Anfang an mitfiebert, erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht, was die Spannung noch einmal deutlich steigert.

Die Österreicherin Ursula Poznanski ist eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Thriller-Autorinnen. Sie schreibt sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene und hat außerdem noch gemeinsam mit dem genauso genialen Autor Arno Strobel erfolgreiche und spannende Bücher auf den Markt gebracht.

(Schnieder)

Buchempfehlung im April (2)

Robert Bryndza: Nachtschwarz

Krimi

Versenkt in einem Baggersee sollen sich Drogen im Wert von mehreren Millionen Pfund befinden. Detective Chief Inspector Erika Foster und ihr Team durchsuchen mit Hilfe eines Taucherteams den See. Dabei stoßen sie auf das Skelett eines Kindes. Die Untersuchungen des Rechtsmediziners ergeben, dass es sich um ein Mädchen handelt, dass vor 26 Jahren spurlos verschwunden ist. Bei den damaligen Ermittlungen sind der Polizei Fehler unterlaufen. Der Druck auf die Polizei ist dadurch nun umso größer. Erika Foster muss den Fall noch mal neu aufrollen und herausfinden, warum der Mörder nie gefasst wurde. Was sie allerdings nicht ahnt: Durch ihre Ermittlungen gerät sie in den Fokus des Mörders …

Detective Chief Inspector Erika Foster ist eine zielstrebige Ermittlerin und kämpft darum, dass sie und ihr Team diesen Fall endlich lösen können. Doch was sie so sympathisch macht ist, dass sie gar nicht den Ruhm für ihre Arbeit einheimsen möchte, sondern wirklich nur daran interessiert ist den Fall zu klären und den Mörder endlich zu fassen.

Nach „Das Mädchen im Eis“ und „Night Stalker“ ist dies nun der dritte Fall für Erika Foster. „Nachtschwarz“ kann unabhängig von den ersten beiden Bänden gelesen werden.

Kurze Kapitel und eine sehr spannende Geschichte machen dieses Buch zu einem wirklich schönen Lesegenuss.

(Schnieder)

Buchempfehlung im April (1)

Nikola Hotel: It was always you

Liebe

Nach dem Tod ihrer Mutter wird Ivy mit 15 Jahren von ihrem Stiefvater auf ein Internat geschickt. Sie hat sich dauernd mit ihrem älteren Stiefbruder Asher gestritten. Deswegen wurde sie wahrscheinlich abgeschoben. Seitdem fühlt sich Ivy nicht mehr als Teil der Familie und ist danach auch nicht mehr Zuhause gewesen.
Jetzt, vier Jahre später, möchte ihr Stiefvater, dass Ivy Heim kommt. Sie ist erstaunt, weil sie in den letzten Jahren nicht gerade willkommen geheißen wurde und sich in New York ein neues Leben aufgebaut hat. Aber Ivy vermisst ihre Familie und kommt der Bitte ihres Stiefvaters nach. Der Erste, der ihr begegnet ist ausgerechnet Asher. Er sieht immer noch verdammt gut aus. Und er ist immer noch der gleiche Idiot wie damals. Und Ivys Stiefvater hat Neuigkeiten, die alles verändern …

Ivy ist total sympathisch und es fällt ganz leicht sie zu mögen und sich in sie hineinzuversetzen. Immer wenn sie gestresst ist oder ihr tausend Gedanken durch den Kopf gehen nimmt sie ihr Bullet Journal (eine Mischung aus Notizheft, Kalender und/oder Tagebuch) in die Hand und illustriert Sprüche hinein. Und diese wunderschönen Handletterings findet man auch im Buch wieder.

Auch die anderen Charaktere aus dem Buch sind der Autorin sehr gut gelungen.
Ivys älterer Stiefbruder Asher hat viele Geheimnisse, die man erst im Laufe der Geschichte erfährt, da die Story nur aus der Sicht von Ivy geschrieben wurde.

Und dann ist da noch Noah, Ivys anderer Stiefbruder. Er ist ein lockerer Typ, der sehr witzig ist und sein Leben gerne auf Instagram teilt. Im zweiten Band über die Blakely-Brüder von Nikola Hotel „It was always love“ ist er einer der Hauptfiguren.

„It was always you” landete direkt nach dem Erscheinen in der Spiegel-Bestellsellerliste. Zurecht.

(Schnieder)

Bilderbuchempfehlung im April

Suzanne & Max Lang: Jim hat keinen Bock

Jim Panse bekommt eine Einladung zu Stachelschweins Party. Aber Jim kann gar nicht tanzen! Die anderen Tiere im Dschungel zeigen ihm wie es geht. Auf der Party tanzen dann alle Tiere und haben Spaß – alle außer Jim. Als es ihm dann endgültig reicht, gesteht er den anderen Tieren, dass er überhaupt nicht gerne tanzt. Und wer hätte das gedacht: Auch anderen Tieren geht es so wie Jim. Doch vorher hat sich niemand getraut es zuzugeben. Schließlich stellen sie fest, dass man auf einer Party gar nicht tanzen muss, denn es gibt auch noch leckeres Essen und viele Spiele. Schließlich findet Jim Panse, dass es wirklich schöner Abend mit seinen Freunden geworden ist.

Das neue Buch von Suzanne (Text) und Max (Bilder) Lang ist genauso wundervoll wie der Vorgänger „Jim ist mies drauf“.

Das Bilderbuch vermittelt, mithilfe der wunderschönen Illustrationen von Max Lang, was Selbstbestimmung heißt. Man sollte unabhängig von anderen Menschen handeln, sich selbst treu bleiben und den Mut aufbringen zuzugeben, dass man etwas nicht gerne macht, auch wenn alle anderen es scheinbar toll finden. Denn nur so kann man glücklich werden.

Für Kinder ab 4 Jahren.

(Schnieder)

Buchempfehlung aus unserem Archiv (11)

Judith Hermann: Aller Liebe Anfang

Bewährte Unterhaltung

Stella lernte Jason durch Zufall in einem Flugzeug kennen, er hielt ihre Hand, weil sie an Flugangst litt, und wenige Wochen später waren sie ein Paar. Sie heirateten schnell, bekamen Tochter Ava und zogen in ein beschauliches Haus mit Garten in einer Vorstadtsiedlung. Jason ist als Handwerker oft beruflich unterwegs, Stella, die teilzeit als Krankenpflegerin arbeitet, kümmert sich um das Haus und die fünfjährige Tochter. Die drei gühren ein unspektakuläres, friedliches Familienleben. Bis eines Tages im Frühjahr ein fremder Mann an der Tür klingelt und Stella darum bittet, sich mit ihm zu unterhalten. Ein wenig verunsichert wimmelt sie den Fremden ab, der jedoch am nächsten Tag wieder vor der Tür steht. Jeden Tag kommt er wieder, klingelt und legt etwas für Stella in den Briefkasten, einen Brief, ein Gedicht, ein Bild. Aus dem anfänglichen Ärgernis über den ungebetenen Besucher wird schnell ein Gefühl der Bedrohung, Stella fühlt sich bedrängt und verfolgt.

Während zu Beginn des Romans einfühlsam der Alltag von Stella und ihrer Familie, die Gedanken, Eindrücke und Sorgen der Protagonistin beschrieben werden, entwickelt die Handlung sich immer weiter zu einem Bild der Angst und Unsicherheit, der Schutzlosigkeit und dem Zerfall eines sicher geglaubten Lebens, bis die Situation zu eskalieren droht…

(Koczot)

Buchempfehlung im März

Joanne K. Rowling: Der Ickabog

Märchen

Es war einmal …

Im Königreich Schlaraffien herrscht König Fred der Furchtlose. Alle Menschen, die dort Leben, sind glücklich und zufrieden. Nun erzählt man sich in Schlaraffien gerne die Legende vom Ickabog, einem gefährlichen Ungeheuer, welches außergewöhnliche Kräfte besitzt und sehr gefährlich ist. Aber den Ickabog gibt es gar nicht wirklich, es ist nur eine erfundene Figur, um den Kindern Angst zu machen. Eines Tages kommt ein Mann zu König Fred und behauptet den Ickabog gesehen zu haben. Gemeinsam mit seinen beiden besten Freunden Lord Spuckelwert und Lord Schlabberlot, sowie den Soldaten begibt sich der König auf ins Marschland, wo der Ickabog leben soll. Fortan sollte sich alles im Königreich Schlaraffien ändern …

Joanne K. Rowling hat zwischen den Harry-Potter-Büchern immer mal wieder an der Geschichte vom Ickabog gearbeitet. Es ist nur der schwierigen Zeit der Corona-Pandemie zu verdanken, dass sie dieses wundervolle Märchen herausgebracht hat. Zuvor hatte sie Kapitel des Buches online gestellt und Kinder dazu ermuntert, an einem Malwettbewerb teilzunehmen. Die 34 schönsten Bilder haben es nun ins Buch geschafft.

Mit kurzen Kapiteln und den wunderschönen Illustrationen der Kinder, ist dieses Buch wirklich empfehlenswert. Einfach märchenhaft schön! Ab ca. 8 Jahren geeignet.

(Schnieder)