Buchempfehlung im Juni (2)

Judith Hermann:  Daheim

Frauen

Judith Hermann erzählt in ihrem neuen Roman „Daheim“ von einem Neuanfang: Eine alte Welt geht verloren und eine neue entsteht. Die Protagonistin hat ihr altes Leben hinter sich gelassen, sie ist an die Küste gezogen, in ein kleines Haus auf dem Land für sich allein. Ihre Tochter ist eine Reisende, ihrem Exmann schreibt sie kurze Briefe, in denen sie erzählt, wie es ihr geht. In diesem neuen Leben im Norden schließt sie eine vorsichtige Freundschaft, versucht sich noch einmal an der Liebe, überlegt, ob sie dort heimisch werden könnte. Dabei begleiten sie immer auch die Erinnerungen an ihre Vergangenheit, an ihre Familie und verpasste Gelegenheiten.

„Daheim“ erzählt von einer Frau, die vieles hinter sich gelassen hat. Sie erinnert sich an Möglichkeiten, die sie vor Jahrzehnten nicht wahrgenommen hat, vermisst ihre nun erwachsene Tochter, möchte allein sein. Und doch richtet sie sich gleichzeitig in ihrem neuen Leben ein, trifft auf neue Menschen, nimmt an deren Leben teil. Es erzählt von einer inneren Zerrissenheit, von Wurzellosigkeit, einem Aufbruch in ein neues Leben, und dem Ankommen.

Die Geschichte mag oberflächlich betrachtet sensationslos erscheinen, und doch stellen sich, in dem für Judith Hermann typisch feinfühligen und melancholischen Stil, tiefer gehende Fragen aus dem Leben, welche die Autorin ganz ohne zu belehren unbeantwortet lässt. Wo gehören wir hin, und zu wem?

(Koczot)

Buchempfehlung im Juni (1)

Christine Brand: Der Bruder

Krimi

Seit einigen Monaten geht der 6-jährige Fabio Della Fortuna allein zum Kindergarten. Als er mittags nicht nach Hause kommt ruft seine Mutter die Erzieherin an und erfährt, dass Fabio nie im Kindergarten angekommen ist. Sofort wird Sandro Bandini, Leiter der Abteilung Leib und Leben der Kantonspolizei Bern, mit dem Fall beauftragt. Leider bleibt dies nicht sein einziger Fall und auch seine Freundin Milla, die beim Schweizer Fernsehen arbeitet, versucht hilfreiche Spuren zu finden. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse …

Derweil begibt sich die Rechtsmedizinerin Irena Jundt in ihre alte Heimat. Da ihr Vater gestorben ist muss sie sich nun um sein Haus kümmern. Dort wird Irena mit ihrer Vergangenheit konfrontiert: Vor 30 Jahren ist ihr damals 11-jähriger Bruder Beni spurlos verschwunden und die Familie ist nie darüber hinweggekommen. Alte Wunden werden aufgerissen und Irena beschließt diesen sehr persönlichen Fall jetzt selbst zu lösen.

„Der Bruder“ ist der dritte Band um Milla Nova und Sandro Bandini und ist wie seine Vorgänger unabhängig voneinander lesbar.
Aber auch der Blinde Nathaniel, den man bereits aus „Blind“ und „Die Patientin“ kennt, ist in diesem Buch wieder dabei.

Die aus der Schweiz stammende Autorin hat mit diesem Buch wieder einen absolut spannenden Krimi geschaffen, den man kaum aus der Hand legen kann!

(Schnieder)